Gleissystem Teil 1

Gleissystem Teil 1



Das Gleissystem

Teil 1

Auf diesen Seiten möchte ich näher auf den Gleisbau eingehen. Der Bahnhof Sonneberg wird ausschließlich mit dem Emmermann/Petau/Selbstlötgleis in Code 40 gebaut. In der Rubrik Kleinbrüchter bin ich auf die verschiedenen Gleissysteme in Code 40 eingegangen. Das soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden.

Bevor man die Gleise aufklebt muss der geeignete Gleisplan auf das Modul übertragen werden.
Ich hatte festgestellt, dass sich nur die Weichenstraßen der Bahnhofseinfahrten wesentlich vom Gleisplan aus dem Jahr 1929 unterschieden. Zudem war das einer der wenigen maßstäblichen Gleispläne, die mir zugänglich waren. Alle anderen Pläne hatte ich mit den Fotoapparat abfotografiert bzw. lagen mir nur in gestauchter Form vor. Glücklicherweise habe ich in meiner Firma Zugang zu A0-Scannern und A0-Pottern. Der Gleisplan (Maßstab 1:1000) wurde eingescannt. Dann habe ich ihn so skaliert und in verschiedene Teile aufgeteilt, das ich den Plan im Maßstab 1:160 ausdrucken konnte. Jetzt hatte ich sechs lange Bahnen, die ich auf das Modul legen konnte, ohne ins Modell umrechnen zu müssen.

Gleisplanteile auf dem Modul

Gleisplanteile auf dem Modul



Nach dem Ausrichten und Fixieren der einzelnen Pläne habe ich die überstehenden Teile abgeschnitten. Mit einem Rändelrad aus Mutters Nähkiste wurde der Gleisplan auf die Holzteile übertragen. Ein dicker Filzstift hilft beim Erkennen der Rändelpunkte.

Rändelrad

Rändelrad. Man benutzt es in der Näherei, um Schnittmusterlinien auf den Stoff zu übertragen.



Rändelspuren

Die Spitzen drücken sich durch das Papier in das Holz. So kann man jede Einzelheit auf das Holz übertragen.



Rändelspuren mit Marker

Mit einem dicken Filzstift werden die Rändelspuren nachgezogen.



Jetzt brauchen die Schwellenroste und Weichen nur noch entsprechend der Markierungen aufgeklebt werden. Etwas länger hat das Probieren der richtigen Positionierung der Einfahr-Weichenstraßen gedauert. Ich hatte nur einen unmaßstäblichen Gleisplan aus dem Jahr 1987. Anhand der Weichengeometrien und der Standardradien 190m, 300m und 500m konnte ich ganz gut den 87er Gleisplan rekonstruieren.

Das Selbstlötgleis besteht aus kupferkaschiertem Leiterplattenmaterial aus dem die Schwellen und Lötplättchen für die Schienenprofile ausgefräst werden. Die Schwellenroste bestehen aus Stücken mit einer Länge von 24cm. Diese lassen sich sehr gut mit einer scharfen Haushaltsschere in die gewünschte Länge teilen. Man kann sie auch einfach abbrechen und die Bruchkanten befeilen oder mit der Schere abschneiden.

Es wird kein Flexgleis angeboten. Aber man kann sich sehr gut, wie folgt, behelfen. Die einzelnen Schwellen sind so gefräst, dass sie über zwei Stege mit einander verbunden sind. Wenn man wechselseitig immer je einen Steg durchschneidet, ist das Schwellenband so flexibel, dass man durchaus Radien bis 500mm erzielen kann, ohne dass das Schwellenband bricht. Für vorbildgerechte Gleisradien (Mindestradius beim Vorbild ist 190m = 1180mm im Modell) ist auch das einseitige Einschneiden jeder zweiten Schwelle ausreichend.

Selbstlötgleis als Flexgleis

Selbstlötgleis als Flexgleis



Das Schwellenband und die Weichen klebe ich mit Ponal Express. Der Kleber bindet schnell ab. So verliert man wenigstens für das Trocknen nicht allzu viel Zeit. Wenn es die Radien zulassen, benutze ich gern ein möglicht langes stabiles Holzbrett als Fixierung, um Unebenheiten durch ungleichmäßigen Kleberauftrag zu vermeiden. Vor dem Aufkleben oder nach dem Abbinden des Klebers oder auch erst nach dem Löten der Schienenprofile können die Schwellenroste gefärbt werden. Je nach Belieben können hier unterschiedliche Reihenfolgen praktiziert werden.

Fixierung mit Holzbrett

Fixierung mit Holzbrett



Vor dem Auflöten der Schienenprofile müssen die Lötflächen gesäubert werden. Ich benutze dafür den so genannten "Roco-Rubber". Schleifpapier würde hier einen zu großen Materialabtrag verursachen, außerdem schleift man leicht die Ecken der Kupferschicht rund, was meines Erachtens nicht schön aussieht. Denn die eckigen Kupferplättchen sind ja der optische Vorteil gegenüber den anderen Code 40-Gleissystemen. Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit dem Vorverzinnen der Kupferplättchen auf den Schwellenrosten sowie den Schienenfüßen der Schieneprofile gemacht. Aber auch hier sind andere Vorgehensweisen vorstellbar bzw. werden praktiziert. Einige Modellbahnkollegen bevorzugen das Arbeiten mit SMD-Lötpaste. Hier wird die Paste zwischen Kupferplättchen und Schienenprofil aufgebracht. Das Schienenprofil braucht nun nur noch mit dem Lötkolben erwärmt zu werden und die Verbindung ist erfolgt. Andere Modellbahnkollegen nutzen Lötsäure und lassen das Lot per Kapillareffekt zwischen die zu verbindenden Teile laufen. Ich kann nur raten einmal mehrere Methoden auszuprobieren, und sich dann aufgrund der gemachten Erfahrungen selbst zu entscheiden. Die einzig wahre Methode gibt es auch hier nicht!

Vorverzinnen des Schienenprofils

Ich habe mehrfach den Fehler gemacht, das Schienenprofil nicht richtig zu verzinnen. Der linke blasenähnliche Bereich wird halten. Im rechten Bereich ist das Lötzinn nicht angenommen worden sondern nur verschmiert. Hier wird sich das Schienenprofil mit der Zeit lösen.



Nach dem Vorverzinnen werden die Schienenprofile aufgelegt. Eine Schieneprofillänge von mehr als 400mm sollte vermieden werden. Eventuelle Spannungen durch Temperaturschwankungen können dann nicht mehr ausgeglichen werden und es kann zu Ablösungen kommen. Erst wird das Schienenprofil der einen Seite danach das der anderen Seite aufgelötet. Ich arbeite von links nach rechts. Ich erwärme das Schienenprofil mit dem Lötkolben in der rechten Hand bis sich das Lötzinn verflüssigt. Jetzt kann ich das Schienenprofil auf das Schwellenrost herunter drücken, somit korrigiere ich die Höhenlage des Schienenprofils. In der Regel ist das nicht notwendig, da diese Ausrichtung schon beim Aufkleben der Schwellenroste erfolgt sein sollte. Mit der linken Hand korrigiere ich die Ausrichtung nach links oder rechts. Ich benutze hierfür eine Seite meiner Spurlehre, weil so eine präzise Führung gewährleistet wird. Die Lötung darf nur sehr kurze Zeit bzw. kontinuierlich erfolgen. Die kleinen Kupferplättchen vertragen keine große Hitze. Erwärmt man diese zu lange, platzen sie mit einem kleinen "Knack" weg. Auch wenn sie nach dem "Knack" noch handfest mit dem Schienenprofil verbunden seien sollten, so ist die Dauerhaltbarkeit nicht mehr gewährleistet. Die Wärmespannungen können die so geschädigten Plättchen nicht mehr kompensieren und das Schienenprofil löst sich mit den angelötetetn Plättchen vom Schwellenrost. Bei einem oder auch zwei bis drei Plättchen in Folge hat das noch keine ernsthaften Konsequenzen. Aber es sollten nicht mehr geschädigt werden, sonst müssen diese Stellen mühsam mit Messingnägel unterfüttert werden, die dann ersatzweise die Festigkeit übernehmen. Nach dem Auflöten kontrolliere ich noch mal die Lage des Schienenprofils. Das mache ich einmal mit einem Stahllineal, welches ich in den Schienenhals lege und mit dem Auge, indem ich längs des Schienenprofils entlang schaue. So kann man eventuelle Abweichungen aus der Gerade besser erkennen.
Ist das eine Schienenprofil fertig aufgelötet und hat die exakte Lage, wird das zweite Schienenprofil aufgelegt und nach derselben Methode aufgelötet. Auch hier wird in der linken Hand die Spurlehre mitgeführt. Allerdings liegt sie nun auf beiden Schienenprofilen, so dass sich automatisch das richtige Spurmaß einstellt.

Nach dem Gleislöten werden die elektrischen Verbindungen angebracht. Hierfür wird ein ca. 2mm großes Loch außen neben dem Schienenprofil zwischen zwei Schwellen gebohrt, ein 0,14mm^2 Kabel durchgesteckt etwa 3mm abisoliert verzinnt und von unten an den Schienenfuß gelötet. So ist die Stromzuführung nach dem Schottern nicht mehr zu sehen. Eine unterschiedliche Färbung des Kabels erleichtert das Zuordnen der richtigen Gleisseite unter dem Modul, insbesondere dann, wenn mehrere Gleise parallel nebeneinander verlaufen. Das andere Ende verbinde ich mit einem sehr fein verlitzten mindestens 1mm2 dicken Kabel, welches unterhalb des Moduls verläuft. Ich nutze hierfür die sogenannte Messleitung von Hirschmann, die es auch bei dem Elektronikversand Reichelt recht günstig als 10m-Ring gibt. Diese Leitung zeichnet sich durch einen geringen Innenwiderstand aus ist dick isoliert und sehr flexibel. Diese elektrische Verbindung mache ich alle 20-25cm. Je nachdem, ob das Schwellenrost vor dem Löten gefärbt worden ist oder nicht, kann dieses jetzt erfolgen.

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© Michael Köhler 2017