Gebaeude

Gebaeude



Die Gebäude

Meine bisherigen Erfahrungen im Gebäudeselbstbau beschränkten sich auf den Bau des Empfangsgebäudes vom Bahnhof Kleinbrüchter. Hier wurde jedes Fenster einzeln ausgefeilt und Fensterstürze, Fenster und Türen mussten mühsam mit der Hand aus Polystyrolstreifen gefertigt werden. Auch wenn das Ergebnis für ein ausschließlich ohne Maschinen erstelltes Gebäude recht ansprechend war, so ahnte ich, dass der Bau eines ganzen Bahnhofs mit vielen Nebengebäuden, Schuppen und ähnlichem, noch dazu in vielen unterschiedlichen Baustilen, eine unglaublich umfangreiche Arbeit werden wird.

Auf der Suche nach Alternativen wurde über das Internet mein Interesse für den Lasercut geweckt. Die Abbildungen von Beispielen ließen die Vorfreude auf die sich erschließenden Möglichkeiten größer werden. Ich setzte mich also mit einer Lasercutterwerkstatt in Verbindung. Die Bedingungen nach Dateiformat, maximaler Papierbogengröße, Materialstärke und Linienführung waren schnell geklärt. Ich konnte also den ersten Versuch wagen.

Ich entschied mich zunächst zwei einfache und kleine Gebäude zu konstruieren. Das Sandhaus und das Toilettenhaus am BW sollten es sein. Diese Gebäude stehen heute glücklicherweise noch und so konnte ich die wichtigsten Maße direkt am Gebäude abnehmen. Die Steine in Horizontal- und Vertikalausrichtung wurden gezählt. Anhand der Gebäudeabmaße und der Steinreihen und Steinzeilen wurde die Ziegelsteingröße ermittelt. Siehe da, es war das preußische Standardmaß. Wie so oft in Preußen, waren die Ziegelwände im Kreuzverband gemauert.

Ziegelgröße in 1zu160

Ziegelgröße in 1zu160


Während meines Studiums hatte ich sowohl mit 2D- als auch mit 3D-CAD-Konstruktionsprogrammen meine Erfahrungen machen dürfen. Die Lasercut-Technik erfolgt in 2D-Technik. (Ich freue mich schon darauf, wenn die 3D-Druck-Technik zu erschwinglichen Kosten nutzbar sein wird!) Als CAD-Programm hätte ich gern AutoCAD verwendet, da ich mich ganz gut damit auskenne und die Handhabung seit den Versionen 13 und 14 deutlich komfortabler ist, als die rein auf Texteingabe basierenden früheren Versionen. Ein kostengünstiger Zugriff auf AutoCAD war mir nur dienstlich möglich und so stieß ich auf der Suche nach Alternativen auf ein Produkt namens ProgeCAD. Dieses Programm basiert auf der Funktionsweise von AutoCAD und benutzt die gleiche Symbolik und Konstruktionsstruktur. Lediglich einige Komfort-Merkmale, wie der automatische Objektfang bei Interpolation von Linien, sind hier nicht vorhanden bzw. müssen über entsprechende Lizenzen dazugekauft werden.

Als Vorlage habe ich mir einen großen Mauerverband gezeichnet. Die Steingrößen habe ich nochmals mit anderen Gebäuden, deren Mauern im Kreuzverband errichtet wurden, abgeglichen. Diese Vorlage nutze ich als Grundlage für alle meine Ziegelmauerwerke. Wenn mir für die Konstruktion eines Gebäudes nur Fotos zur Verfügung stehen ohne gesicherte Maßangaben, dann kann ich anhand der Anzahl der Steinreihen und Steinzeilen trotzdem die Größe des Gebäudes abnehmen und detailgetreu konstruieren.

Auf dieser Mauerverband-Vorlage habe ich nun die Außenmaße, die Fenster und die Türen eingezeichnet. Auch Mauerfehler, Ausbesserungen im Mauerwerk und zugemauerte Fenster oder Türen können so eingezeichnet werden. Der Lasercutter kennt zwei Arten von Linien. Eine Gravurlinie und eine Schnittlinie können unterschieden werden. Diese können durch unterschiedliche Linienfarben definiert werden. Sinnvollerweise wird man das Ziegelmauerwerk also als Gravurlinie definieren und die Fensterausschnitte als Schnittlinie. Dabei ist darauf zu achten, dass keine zwei Gravurlinien übereinander oder zu dicht aneinander liegen. Zweimal graviert ist wie geschnitten. Die Abstände zweier Schnittlinien sollten das 1,5-fache der Laserschnittstärke nicht unterschreiten. Wie fein die Strukturen, z. B für Geländer, erzeugt werden können, hängt zum großen Teil vom verwendeten Material und von der Erfahrung und Geschicklichkeit der Lasercutwerkstatt ab.

Jedes Einzelteil, ganz besonders die kleinen Teile, müssen eine unterbrochene Schnittkante aufweisen. Anderenfalls werden diese Teile nach dem Ausschneiden von der Absauganlage einfach weggesaugt. Wenn man Glück hat, werden sie vom Bediener gefunden und wenn man viel Glück hat sind sie unbeschädigt. Den teils harten Übergang von Schnitt zu Nichtschnitt kann man durch eine Gravurlinie abschwächen.

Seitenwand Sandhaus

Seitenwand Sandhaus.
Die Außenkanten sind als Schnittkanten definiert (weiß) und durch Gravurkanten (grün) unterbrochen. An diesen Stellen verbleibt das ausgeschnittene Teil mit dem Papierbogen in Verbindung und kann nicht verloren gehen.


Am Anfang habe ich erst aus Unwissenheit, später aus Kostengründen nur die Ziegelfassade des Gebäudes lasern lassen. Wahrscheinlich auch aus der Unerfahrenheit der Laserwerkstatt in Kombination eines nicht optimalen Materialeinsatzes, hatte ich als Ergebnis eine sehr dünne Gebäudewand. Teilweise konnte man durch die Gravurlinien hindurch sehen. Dementsprechend waren die Wände sehr empfindlich. Das Zusammenbauen war eine Tortur und mit Sekundenkleber hatte ich nur genau eine Chance. Die Dachrinnen, Fallrohre und das Dach aus Dachpappe hatte ich nach der bewährten Methode wie für das EG in Kleinbrüchter gefertigt. Das Endergebnis war dann doch mehr als zufriedenstellend.

Toilettengebäude

Toilettengebäude am BW
Das Vorbild des Toilettengebäudes ist später zu einem Lagergebäude umgebaut worden. Die Eingänge für Männlein und Weiblein (linke Seite) sind zugemauert worden. Die Ecke im Vordergrund ist einmal beschädigt und mit Porenbetonsteinen ausgebessert worden.



Innenseite des Toilettengebäudes

Innenseite des Toilettengebäudes am BW.
Deutlich kann man die Gravurstrukturen von der Innenseite her sehen. Mit einem Pappstreifen musste ich die Wand verstärken.



Die weiteren Gebäude habe ich wieder ohne Unterstruktur konstruiert. Diesmal habe ich die gelaserten Wände mit Karton verstärkt. Der Nachteil war nun, dass die ausgelaserten Fensterausschnitte mit einem Skalpell wieder freigelegt werden müssen. Hierbei ließ es sich auch nicht verhindern, dass durch die Handhabung einige Steine aus dem Mauerwerk heraus brachen.

Güterabfertigung

Heraus gebrochene "Steine" der am Gebäude der Güterabfertigung.



Heute konstruiere ich einen Unterbau, dessen Teile durch Zinken passgenau ineinander gefügt werden. Bei großen Gebäuden mit mehr als 25cm 2 Grundfläche wird meist noch eine Grundplatte und bei Bedarf Quer- oder Längsversteifungen eingebaut. Der nicht unerheblichen Mehraufwand und die höheren Kosten belohnen aber durch einen unkomplizierten Zusammenbau und besserer Dauerhaltbarkeit.
Der Unterbau wird aus festerem Karton mit der Stärke 0,8-1mm aufgebaut. Auf diesem Unterbau werden dann die etwa 0,2mm starken (also Karteikartenstärke) Mauerplatten aufgeklebt.

Teile des Sandhauses

Teile des Sandhauses



Rohbau des Sandhauses

Rohbau des Sandhauses



Nach dem farblichen Behandeln, ich lackiere den „Rohbau“ vollständig mit dem Grundton, werden die Fenster und Türen eingeklebt. Diese werden vorher ebenfalls nach Vorbild farblich behandelt. Hier kann schon das Altern angewendet werden, dann muss man nicht auf das Nichtbekleckern der Scheiben acht geben. Wenn die Fenster drin sind, können sie Scheiben eingesetzt werden. Ich benutze jegliches klare Material, dass ich in der Bastelkiste finde. Von Sichtfenstern aus Verpackungen bis zu den Einlegern aus den Hemdkragen ist alles dabei.

Auf eine Inneneinrichtung, Gardinen oder ähnliches verzichte ich wegen des großen Aufwandes und der Menge an Gebäuden, die ich für den Bahnhof Sonneberg zu bauen habe. Ich muss aber gestehen, dass eine Inneneinrichtung, wenn die Fenster groß genug sind, um hineinschauen zu können, einen gewissen Charme hat. Erstmals konnte ich das bei einem Modellbahnfreund, der den Bahnhof „Bismark“ nachgebaut hat, bewundern.

Ein typisches Merkmal von Gebäuden im Südthüringer Raum ist die mit Schiefer verkleidete Fassade bzw. das mit Schiefer gedeckte Dach. Geeignete Modellbauplatten im Fachhandel zu finden, habe ich längst aufgegeben. Wie sollte eine Schieferschindelwand aber konstruiert werden? Es ist möglich dem Laser durch einen Farbverlauf eine unterschiedliche Gravurtiefe zuzuordnen. Zum Beispiel wird eine dunkle Fläche tiefer graviert als eine helle Fläche. Bei kleinen Flächen kann man so eine Schindel- oder Dachziegelstruktur erzeugen. Größere Flächen (> 5mm 2) so zu erzeugen, konnte nach entsprechenden Versuchen nicht überzeugen. Die tiefer gelegene gravierte Fläche zeigt zum Teil erhebliche Spuren, die vom Abfahren der Linien des Lasers herrühren und nicht zu kaschieren sind.
Leider kann man das Flächengravieren im AutoCAD sehr schwer umsetzten. Hierfür musste ich mich leider mit dem Programm CorelDraw auseinander setzen. Ich habe noch heute Schwierigkeiten dieses, aus meiner Sicht, wegen der Undurchsichtigkeit grauenvolle Programm, zurechtzufinden. Letztendlich habe ich mich nur auf die nötigsten Anwendung spezialisiert.

Viele Gebäude, die um die Jahrhundertwende errichtet wurden haben im Giebelbereich ein Ziermauerwerk. Durch mehrlagige gravierte Mauerteile können auch hier vorbildgetreue Nachbauten entstehen. Auch aufwendige Haustüren entstanden mit dieser Technik.

Ziermauerwerk

Ziermauerwerk des Übernachtungsgebäude am BW
Das Mauerwerk besteht aus fünf übereinander geklebten Lagen.


Als Beispiel, wie viel verschiedene Details die Gebäude des Bahnhofs beherbergen, habe ich hier einige Detailaufnahmen ausgestellt. Die wenigsten Gebäude sind schon in ihrer endgültigen Farbgebung dargestellt. Viele Details fehlen noch. Aber um einen Eindruck für die Möglichkeiten des Gebäudebaus mittels Lasercut zu bekommen, reicht die Auswahl allemal.

Rb-Schuppen

Detailaufnahme eines der Tore des Rb-Schuppens
Der "Reichsbahn-Schuppen“ ist einer der viergeschossigen Schuppen deren Erdgeschoss nach dem Bombenangriff übrig geblieben ist und als zweigeschossiger Schuppen wieder aufgebaut wurde.



Hoffmann-Schuppen

Detailaufnahme des Hoffmann-Schuppen
Die oberen vier Geschosse des Hoffmann-Schuppens bestehen aus einer Fachwerk-Ständer-Konstruktion. Beim Kolorieren der Fachwerkbalken muss man schon nüchtern und ausgeschlafen sein.



BM-Gebäude

Sockel des BM-Gebäudes, der mit behauenen Sandsteinen verkleidet ist.
Beim Lackieren des Modells habe ich eine etwa 15 Jahre alte Revell-Farbdose erwischt. Die Farbe ist stark gealtert und hinterließ eine Art Rauhputz. Das war so nicht beabsichtigt, nehme ich aber gern an.



Aufenthaltsgebäude

Das Aufenthaltsgebäude ist auf alten Aufnahmen aus den 50er Jahren schon zu sehen. Der hier zu sehende Anbau erfolgte in den 70er Jahren und ist nie verputzt worden. Hier sind die verschiedenen Steinformen nachgebildet. Die grauen Porenbeton-Steine sind in Kombination mit roten Ziegelsteinen verwendet worden.



Trapo-Gebäude

Das Gebäude der Transport-Polizei taucht erst auf späteren Aufnahmen auf. Das Gebäude ist ein Standard-Einfamilien-Wohnhaus der DDR, das man auch heute noch in vielen Wohnsiedlungen sehen kann. Die West-Wand wurde mit hellgrauem Schiefer verkleidet.



Zurück zum Anfang

© Michael Köhler 2017