Motivation

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Was verbindet mich mit dem Sonneberger Bahnhof?

Erinnerungen

Abgesehen davon, dass ich seit jeher ein Auto-Fan war und schon als Kind exzessiv Auto- und LKW-Bilder in allen erdenklichen Formen und Typen malte, faszinierte mich auch immer die Eisenbahn.

Schon während meiner Kindheit, als ich mit meinen Eltern im Auto zu meinen Großeltern nach Sonneberg fuhr, berührten wir immer wieder die Strecke (Saalfeld)-Probstzella-Sonneberg. Der erste Höhepunkt der Fahrt war die Überquerung der Brücke auf der Pößnecker Straße. Die Brücke überspannte die Gleise nahe des Bw Saalfeld. Aus dem Autofenster konnte man unten die Dampfloks und die Dieselloks stehen sehen. Ich bat meinen Vater immer besonders langsam über die Brücke zu fahren, um den Anblick länger genießen zu können.
Im Laufe der weiteren Tour auf der B 281 überquerten wir bei Schmiedefeld erstmals die Strecke Probstzella-Sonneberg. Weiter ging es entlang der Bahnstrecke.
Weitere Höhepunkte waren das beeindruckende Piesau-Viadukt bei Lichte und der Bahnhof Lauscha. Das Passieren des Bahnhofs Lauscha war ein Zeichen, dass die beschwerliche fünfstündige Fahrt, die meist vom Befüllen der "Kotztüten" unterbrochen wurde, bald zu Ende war. Ab Lauscha begleitete uns die Bahnstrecke, die oft die Straße überquerte. Am Steinwerk Hüttengrund gab es immer etwas zusehen, und auch der Bahnhof in Steinach war einen genauen Blick wert.
Nach der üblichen "Ehrenrunde" durch die aus Einbahnstraßen bestehende Innenstadt von Sonneberg, damals gab es die Umgehungsstraße noch nicht, erreichten wir endlich die Brücke der ehemaligen Robert-Straße in Sonneberg. Hier konnte man einen schönen Blick auf die Einsatzstelle Sonneberg werfen. Da waren ständig Lokomotiven zu beobachten.


Blick von der Brücke auf Bw 2003

Brücke der ehemaligen Robert-Straße, Sommer 2003


Auf der Straße hinter dem Bahnhof konnte man beim Blick durch die Hecken die Güterschuppen sehen. Gleich darauf waren wir endlich da. Meine Großeltern wohnten in der ehemaligen Willi-Höfler-Straße, heute Sonnenallee. Beim Blick aus dem Küchenfenster konnte man den großen Portalkran arbeiten sehen und mit seinem charakteristischen "Kring-Kring-Kring" auch hören. Die Wohnung lag direkt hinter dem Bahnhof und etwa 200m vom Ablaufberg entfernt. So bestand die Bahnhof-Geräuschkulisse nicht nur aus der Warnklingel des Portalkrans, sondern auch aus den Bahnhofs-Ansagen, die der Wind hinüber trug und vor allem aus der schwer arbeitenden BR 106, die bis in die Abendstunden hinein Züge teilte, Wagen sortierte und neue Züge zusammenstellte.

Blick auf die Güterschuppen von Süden 2004

Blick durch die inzwischen größer gewordenen Büsche auf die Güterschuppen von Süden her, Winter 2004

Der beinahe tägliche Weg meines Opas, zumindest in der warmen Jahreszeit, führte ihn und mich in seinen Kleingarten. Dieser führte unter der Brücke der Neustadter Straße hindurch entlang des Ablaufberges zur Kleingartenanlage neben dem Stadion. Auch hier sah ich die arbeitende 106er vom Gartenzaun aus, den Ablaufberg hoch und runter fahren. Unterbrochen wurde dieses Schauspiel nur durch die Mittagspause und die ein- und ausfahrenden Züge bestehend aus BR 95 und BR 119, mal als Güterzug und mal als Personenzug. Denn der Bahndamm der Strecke Eisfeld-Sonneberg führte direkt an der Kleingartenanlage vorbei.

Unterführung der Neustadter Straße 2004

Unterführung der Neustadter Straße, Herbst 2004, links hinter der Brücke ist der nicht ganz legale Aufstieg zum Weg entlang des Ablaufberges.

Ein weiterer besonderer Höhepunkt kam erst, nachdem ich etwas älter war. Ich durfte die Reise nach Sonneberg ALLEIN mit dem Zug machen. An eine Reise kann ich mich noch besonders gut erinnern.
Am frühen Morgen fuhr ich mit der Berliner S-Bahn zum Bahnhof Lichtenberg. Dort stand schon der Zug in Richtung Saalfeld. Die BR 132 - meine Lieblingslok - heulte schon am Bahnsteig. Die Zeit zum Umsteigen war hier immer etwas knapp. Deshalb war man gut beraten eine S-Bahn früher zu nehmen. Ich kann mich noch gut an die unterschiedlichen Wagentypen erinnern, die dieser Zug auf den verschiedenen Reisen mit sich führte. Vom Halberstädter "Bom" über die Rekos "Bghwe" bis zum Nahverkehrswagen "Bmh" war fast alles dran. Am frühen Nachmittag kam ich endlich in Saalfeld an. Bis der Zug nach Sonneberg abfuhr, hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit. Der Lichtenberger hatte durch die vielen Langsamfahrstellen Mitte der 80er Jahre ordentlich Verspätung eingefahren, so dass der Anschlusszug schon weg war. Es war also noch Zeit die Mitropa-Gaststätte zu besuchen und eine gut im warmen Wasser abgelagerte Bockwurst zu sich zu nehmen. Mit dem "Fernmünzer" in der Bahnhofshalle kündigte ich meine spätere Ankunft bei meinen Großeltern an. Die Zeit vertrieb ich mir mit "Züge gucken" auf dem Bahnsteig. Interessanter noch, wäre ein Besuch des Bw gewesen. Aber einerseits war der Weg zu weit und unbekannt, andererseits war es sowieso verboten. Ich wollte den nächste Zug nicht verpassen und ich war ja auch gut erzogen.
Als die Abfahrtszeit des Zuges nach Sonneberg näher rückte, sich aber weit und breit kein Wagen am Bahnsteig befand, kam die Ansage über Lautsprecher, dass dieser Zug wegen einer Lokomotivstörung ausfiel. Wahrscheinlich ist ein "U-Boot" wegen einer Störung auf der Strecke liegen geblieben und mal wieder "abgetaucht". Die weitere Stunde Wartezeit war dann aber doch ziemlich langweilig.
Der Zug nach Sonneberg war meist aus vierachsigen Rekos und einer BR119 gebildet. Manchmal war auch ein Modernisierungswagen am Zug. Damals kannte ich noch nicht die Unterschiede dieser Wagen. Mir fielen nur die unterschiedlichen Fensterfassungen und Fensteröffnungsmechaniken auf, und dass sich immer das Schwitzwasser in der regenrinnen-ähnlichen Sicke am Fenster sammelte.
Kurz vor Probstzella und später noch mal bei Gräfenthal kamen die Beamten der Bahnpolizei durch den Zug, die immer wissen wollten, wer ich bin, wohin ich wollte und zu wem. Später war mir klar, dass wir dicht an der Grenze entlang fuhren und die Bahnpolizei (vielleicht auch Staatssicherheit oder beides) nach potenziellen "Grenzverletzern" gesucht hatten.
Am späten Nachmittag oder besser am Abend, ich glaube es war der vorletzte Zug, kam ich in Sonneberg an. Meine Großeltern warteten schon am Bahnsteig. Nach dem ich den ganzen Tag mit der Bahn unterwegs war, wartete auf mich ein warmer Teller mit dem obligatorischen selbst gemachten Nudeleintopf in Omas Küche.

An eine weitere Episode, die mit dem Tunnel des Bahnhofes Sonneberg zu tun hat, kann ich mich auch noch erinnern. Ich fragte einmal meinen Großvater, was es mit dem Tunnel am Bahnhof auf sich hatte, als wir von einem Sonneberger Pilsener und einer Vita-Cola aus der Bahnhofs-Wirtschaft kamen. Es sagte mir dass dieser Tunnel unterhalb der Gleise zur anderen Seite des Bahnhofs führte. Es sei aber verboten ihn zu benutzen, wenn man kein Bahnmitarbeiter war.
Auf dem Rückweg, als ich mal wieder den Spielzeugladen in der Bahnhofstraße vergeblich auf der Suche nach neuen N-Modellen besuchte und die Schaufenster mit den H0-Modelllokomotiven vor der Piko-Fabrik bewundert hatte, erinnerte ich mich an den Tunnel. Lange hatte ich mit mir gerungen. Schließlich wagte ich es doch. Der Tunnel war komplett unbeleuchtet, dunkel und Pfützen bildeten sich auf dem Beton. Am Eingang standen Typen, die schon seit dem Morgen das Sonneberger Pils verkosteten und das wohl auch täglich. Im Tunnel begegnete ich niemandem. Ich war froh, als ich am anderen Ende wieder das Tageslicht erblickte. Doch nach kurzem Orientieren bemerkte ich, dass der Tunnel keineswegs am anderen Ende des Bahnhofs endete, sondern genau in der Mitte. Links von mir erhob sich der arbeitende Portalkran, rechts von mir fuhren W50-LKW Ladungen die große Ladestraße entlang. Die einzige Möglichkeit nach Hause zu kommen, war die Ladestraße entlang nach Osten zu laufen, dort das Bahngelände zu verlassen und die südlich parallel zum Bahnhof verlaufende Straße nach Westen wieder zurück zu laufen. Das wäre ein ellenlanger Umweg gewesen, und genügend Zeit von der Bahnpolizei erwischt zu werden. Sich auf dem Bahnhofsgelände aufzuhalten, war ja verboten, noch dazu im sensiblen Grenzgebiet zum "Klassenfeind". Das Dach des Hauses meiner Großeltern konnte ich über den Dächern der Güterschuppen ausmachen. Die grobe Richtung kannte ich also.
Ich wartete einige Minuten in der Nähe des Tunnelausgangs bis sich der Betrieb für kurze Zeit etwas gelegt hatte. Dann tat ich so, als hätte ich nichts zu verbergen und schlich mich um den großen Güterschuppen am Gleis 18 westlich herum. Und stand vor der neuen Herausforderung unentdeckt und ungefährdet die Gleise 21-24 zu überqueren, was gelang. Dann schlich ich mich durch eine Baulücke am SERO-Schuppen vorbei und durch ein Loch in Zaun und Heckenbewuchs, welches wohl des Öfteren als Durchschlupf diente, vom Bahnhofsgelände.

Ein anderes Mal kroch ich den etwa 5-6 Meter hohen Bahndamm an der Brücke über die Neustadter Straße hoch und beobachtete, wie die 106er Wagen abdrückte und diese Wagen etwa zwei Meter vor meiner Nase vorbei in die Abstellgleise liefen. Dumm nur, dass genau gegenüber meines Beobachtungsstandortes das Stellwerk war, und ich nicht lange unentdeckt blieb.

Der Wunsch

So, von Kindesbeinen an, auf die Sonneberger Eisenbahn konditioniert, ist es wahrscheinlich kein Wunder, dass sich früher oder später der Wunsch nach dem Nachspielen dieses erlebten Bahnbetriebs einstellte. Dieser Traum, oder besser Eisenbahnvirus, setzte sich in meinem Hinterkopf fest und schlummerte dort lange vor sich hin.

Doch zunächst verlagerten sich die Interessen während der Pubertät in Richtung Mädchen und später wieder in Richtung Autos und LKWs. Nachdem ich den Führerschein gemacht hatte und nun die Reisen zu meinen Großeltern mit meinem zitrusgelben Wartburg W353S machte, beobachtete ich immer noch mit "einem Auge" die Veränderungen am Bahnhof. Die Wendezeit brachte die mittlere Brücke über die Neustadter Straße wieder zurück, über diese jetzt die wieder eröffnete Strecke nach Coburg verlief. Der Bahnhof erhielt Oberleitung und die 106er brüllte nicht mehr den Ablaufberg hoch. Das alles bekam ich, wegen der verlagerten Interessen nur wie "im Nebel" mit. Auch die Besuche in Sonneberg wurden immer seltener. Als das Interesse an der Eisenbahn bzw. das Virus wieder erwachte, und ich wieder bewusster den Bahnhof besuchte, stellte ich traurig fest, dass durch den enormen Umbau, bedingt durch die neue Fußgängerbrücke, die über den gesamten Bahnhof verlief, die alten Zeiten der jugendlichen Erinnerung endgültig verloren waren.

Nach dem ich zwei Jahre lang einige Erfahrungen im vorbildgetreuen Modellbau gesammelt hatte, wollte es der Zufall, dass ich im Frühjahr 2003 mit meiner Familie ein Haus mit Keller bezog. Von Anfang an blitzte der Gedanke auf, aus dem größten Kellerraum einen Eisenbahnkeller zu machen. Die Entscheidung für den Modulbau nach Vorbild war längst gefallen, als mir Sonneberg wieder in den Sinn kam.

Ich bemühte mich um einen maßstäblichen Gleisplan, den ich im Sommer 2003 zum Bahnhofsfest anlässlich des "Tag der offenen Tür" bei PIKO, von einem Mitglied des Vereins Lokbahnhof Sonneberg eV bekommen hatte. Nach Übergabe und Sichtung noch im Auto, überschlug ich anhand der Kilometrierung auf dem Plan die Machbarkeit des Baus und ob das massstäbliche Modell wohl im Keller Platz hätte. Resultat: ES GEHT!

Die Umsetzung

Den Rest der Zeit des Besuches in Sonneberg verbrachte ich nun auf dem Bahnhof mit dem Fotoapparat in der Hand. Das Bahnhofsfest am Lokschuppen war jetzt egal. Meine damals schon schwangere Frau immer im Schlepp bei hoch stehender Sonne (Vielen Dank für die Geduld, Schatz) fotografierte ich jede Ecke des Bahnhofs. Ich glaube, einige Besucher des Festes wunderten sich schon, was das für ein Typ mit dem Fotoapparat ist, der die Schuppen fotografiert, während die Gast-52.80 in seinem Rücken ins Bw zum Restaurieren fuhr.



52 8195 auf der Grube in der ehemaligen Est Sonneberg 2003

52 8195 beim Abschmieren auf der Grube in der ehemaligen Est Sonneberg 2003

Den Rest des Jahres 2003 und das Jahr 2004 verbrachte ich mit der Recherche nach den Gleisplänen aus dem bevorzugten 80er Jahren und nach Plänen und Bildern der Gebäude des Bahnhofs. Viele Stunden und viele Kilometer Fahrt investierte ich bei Besuchen von Eisenbahnfreunden aus der Region, des Staatsarchivs in Weimar und des Stadtarchivs in Sonneberg. Auch heute sind noch nicht alle unbekannten Ecken und Aspekte des Bahnhofs erleuchtet. Hin und wieder entdecke ich Abbildungen, die den Zustand von Gebäuden des favorisierten Zeitraums näher beschreiben. Meine bis dahin gemachten Annahmen den Zustand bzw. das Aussehen betreffend, kann ich dann korrigieren und das Modell so vorbildgerecht wie möglich gestalten.

Wer mich bei den Recherchen unterstützen möchte, bitte ich unter "Bitte um Unterstützung" nachzuschauen, welche Bereiche noch "weiße Flecken" sind bzw. wo ich Unterstützung bei der Recherche benötige.

Mein besonderer herzlicher Dank gilt Heiko Müller, der mich mit Plänen, Fotos und Geschichten aus erster Hand freizügig unterstützt hat und weiter unterstützt. Ohne ihn wäre das Projekt nicht soweit wie es heute ist, geschweige denn überhaupt möglich gewesen!

Weiterer Dank gebührt den freundlichen Mitarbeiterinnen des Sonneberger Stadtarchivs Frau Roß und Frau Losansky, die mich begeistert in Ihren Räumlichkeiten empfingen und mit Bildern und Bauplänen versorgten. So manchen "weißen Fleck" konnte ich so tilgen.

Wie das Projekt im Einzelnen voran schreitet, kann der geneigte Leser auf den weiteren Seiten dieser Homepage erfahren.

Also, viel Spaß beim Stöbern!

Was ist der Bahnhof Sonneberg?

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© Michael Köhler 2017